Foto: Monsune

Es ist wieder die Zeit des Jahres in der renommierte Musikjournalisten die 50 besten Universal, Sony und Warner Releases in ihrer Lieblingsreihenfolge anordnen.

Wenigstens muss man sich im Zeitalter der Netflix Vorspulfunktion nicht mehr durch 100 Blog Seiten klicken bis man erfährt, wer denn das Meiste Album des Jahres ersprintet hat. Heute kann man komfortabel “Best Albums 2019” in die präferierte Suchmaschine prügeln und weiß gleich bescheid, dass die am weitesten geworfenen Alben in diesem Jahr selbstredend von Slipknot, FKA Twigs, Lana Del Rey, Ariana Grande et al. kommen.

Klare Verhältnisse. Da freut sich der Laie der es, mangels Expertise, nicht hat besser wissen können. Der Depp.

Allerdings läuft man auch Gefahr die Geheimtipps zu verpassen! So konstituiert das Satire Magazin “The Guardian” z.B. das der beste Song des Jahres definitiv “Old Town Road” von Lil Nas X und Billy Ray Cyrus sein müsse. Eine Begründung folgt auf dem Fuße: es ist nämlich u.a. der erfolgreichste Song des Jahres. Da muss ein Preis her! Wann hat man zuletzt einen herkömmlichen Konserven-Trap-Beat gehört? Genial, gewagt, mutig, stunning und brave! Und wer hatte nicht auf einen weiteren Hit von Billy Ray Cyrus gehofft? Seine letzten großen Würfe, Achy Breaky Heart und Miley Cyrus, liegen schließlich schon wieder fast 30 Jahre zurück!

Warum in keiner der Listen, nicht mal beim Rolling Stone, Donald Trump auftaucht ist mir ein komplettes Rätsel. Hat man in den letzten Jahren doch omnipräsent über dessen aktuelles Schaffen berichtet. Alles was den brennenden Musik Fan eben interessiert! Entsprechend verwunderlich, dass die Absatzzahlen im Print rapide sinken und ein Werbekatalog nach dem anderen den Löffel abgibt. Aber man muss eben auch loslassen können.

Ein Major Label macht natürlich noch keinen unterirdischen Release. Ganz im Gegenteil will ich Mal schwer hoffen, dass wenn eine gut ausgebildete Hundertschaft an Industrie-Soldaten auf Marschierpulver an einem B. Knowles Album arbeiten, dass da hinterher was rauskommt, was man sich zumindest anhören kann. Herzlichen Glückwunsch also zur gelungen Projekt Koordination!

Abseits vom Hintergrundrauschen habe ich mich über den teils energetischen, teils stimmgewaltigen Output von Lizzo gefreut und einige der toll produzierten Songs von Billie Eilish.

Nick Cave hat dann noch ein neues Nick Cave Album gemacht. Es ist genauso ok wie die letzten 83 Alben von Nick Cave. Ob die Fanbase den Einsatz von Autotune jemals überwinden wird? Die Traumatherapie wird es zeigen. The National haben ein neues The National Album gemacht. Es ist genauso langweilig wie die letzten 83 Alben von The National.

Achja, Tool, das Half Life unter den Musikgruppen, hat ernst gemacht und nach 53 Jahren den Running Gag, dass sie nichts mehr zu sagen hätten, mit einem 5. Album aufgelöst. Das sind große Neuigkeiten für Leute die Tool mögen. Nachdem sich der Tumult darum äußerst in Grenzen hielt, mutmaße ich jetzt einfach, dass es erwartungsgemäß mittelmäßig war, dafür aber ein Bildschirm in die Special Edition eingebaut wurde. Ja geil, hab ich Bock drauf!

Ich habe mir überlegt was mir von diesem Jahr in Erinnerung geblieben ist und in der folgenden Liste in keiner bestimmten Reihenfolge mit den überdimensionalsten Hochsprung Awards ausgezeichnet. Wer hat die größte Limited Edition Box mit T-Shirt? Wer wurde am öftesten nach der Bedeutung seines Künstlernamens gefragt? Wer hat die besten demographischen Merkmale? Wer hat einige seiner Songs sogar selbst mit geschrieben?

Erfahrt es hier!


Addendum: ÄTNA und Aiming For Enrike habe ich zwecks Befangenheit außen vor gelassen, obwohl die beide hart abgeliefert haben dieses Jahr. Ist natürlich jetzt hinfällig, weil ich es trotzdem erwähnt habe. Oh man ey.

Mehr Titel aus dem Jahr 2019 findet ihr in der zugehörigen Spotify Playlist:


JONWAYNE / ZEROH

Beste Ansage des Jahres.

I am true to myself, I do not uphold the status quo.” – Jonwayne

WEVAL

Bestes Breitband-Elektro-Indie-Pop Album eines Produzenten Duos aus Amsterdam des Jahres.


YOSI HORIKAWA

Bestes Field-Recording-IDM Album eines japanischen Weltenbummlers des Jahres.


MONSUNE

Beste Bedroom-Pop EP eines chinesisch-kanadischen Sängers des Jahres.


BON IVER

Bestes Album um seinen eigenen Output massiv anzuzweifeln des Jahres.


NAOITO

Bestes japanisches Afro-Jazz Album des Jahres.


THE COMET IS COMING

Bester Apocalyptic Space Funk Track des Jahres.


THROWING SNOW

Bester Kurt Gödel und Jonathan Haidt inspirierter Percussion Techno Track des Jahres.


MORITZ KRÄMER

Bestes Sequel zu einem deutschsprachigen Meta-Album über die Musikindustrie des Jahres.


HARUOMI HOSONO

Bestes neuinterpretiertes Remaster eines japanischen Musikpioniers des Jahres.


FLOATING POINTS

Bester Modular Synthesizer Trip eines britischen Neurowissenschaftlers des Jahres.


POST MALONE

Bester dicker Beat auf unerwarteter Tanzchoreographie des Jahres.


SAFFRONKEIRA

Bestes sardinisches Konzeptalbum über das Unterbewusstsein des Jahres.


AL SUNNY

Bestes französisches AOR Revival des Jahres + Bestes Soul/Funk/Jazz/AOR Label des Jahres (Favorite Recordings)


SKILLKILLS

Beste rhythmisch überfordernde EP einer japanischen Avant-Hiphop Crew des Jahres.


EASY LIFE

Beste Hit-Streak einer britischen Pop Band des Jahres.


ANDY SHAUF

Beste Preview auf das nächste Album eines fantastischen kanadischen Singer-Songwriters des Jahres.


RAFAEL ANTON IRISARRI

Bestes gewalttätig beruhigendes Post-Minimalism Ambient Drone Album eines US Amerikanischen Multi-Instrumentalisten des Jahres.


KING GIZZARD & THE LIZARD WIZARD

Bestes Metal Album einer Band, die eigentlich keinen Metal macht, das besser ist als der überwiegende Teil an Alben von Bands, die meinen Metal zu machen, des Jahres.


BIG BRAVE

Bestes Southern Lord Drone Metal Album aus Montreal des Jahres.


EXHORDER

Bestes Thrash Metal Comeback aus New Orleans des Jahres.


DADABOTS x ARCHSPIRE // RELENTLESS DOPPELGANGER

Bester Neural Network Technical Death Metal Livestream der aus Songs der Band Archspire generiert wurde (siehe: “Relentless Mutation” / Bestes Metal Album seit Mick Gordon’s Doom Soundtrack) … des Jahres.


 

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